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November 2011

Karl Peter Bruch neuer Vorsitzender der Hauptversammlung der Diakonie

Wahl als Nachfolger von Armin Clauss: „Professionellen Dienst der Diakonie stärken“


Hauptversammlungs-, Hauptausschussvorsitzende und Vorstand des DWHN
 

Hauptversammlungs-, Hauptausschussvorsitzende und Vorstand des DWHN

Karl Peter Bruch, stellvertretender Ministerpräsident a.D. und Innenminister a.D. in Rheinland-Pfalz, ist der neue Vorsitzende der Hauptversammlung des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau (DWHN). Bruch wurde mit überwältigender Mehrheit für drei Jahre in das Amt an die Spitze des höchsten Gremiums des DWHN gewählt, das quasi das Parlament des Verbandes ist. Der Staatsminister a.D. tritt die Nachfolge von Staatsminister a.D. Armin Clauss an, der die Aufgabe seit 1993 innehatte.
Staatsminister a.D. Bruch sagte nach seiner Wahl als Vorsitzender der Hauptversammlung: „Die Diakonie spielt im sozialstaatlichen und gesundheitspolitischen Kontext unserer Gesellschaft eine große Rolle: Die Diakonie ist dem Gemeinwohl verpflichtet und auf der Seite derer, die am Rande der Gesellschaft stehen, um aktive Teilhabe zu ermöglichen. Die Diakonie steht für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und dafür, dass Ausgrenzung und Armut überwunden werden. Als Vorsitzender der Hauptversammlung will ich dies nach meinen Möglichkeiten unterstützen und den professionellen Dienst der Diakonie stärken.“


Clauss: Kräfte bündeln und diakonischen Einrichtungen weiter zur Verfügung stellen


Der langjährige Vorsitzende der Hauptversammlung, Staatsminister a.D. Clauss, als visionärer, unnachgiebiger Solidaritätsstifter bekannt, hatte angekündigt, sich zurückzuziehen, um seine Kräfte zu bündeln und diakonischen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. „Die Ökonomisierung und die Konzentration im Krankenhaus-Bereich schreiten voran. Ich will dazu beitragen, dass die große Tradition evangelischer Krankenpflege nicht unter die Räder kommt.“ Zum kirchlichen Tarifrecht sagte er: „Das Grundgesetz erlaubt den Kirchen einen tariflichen Sonderweg. Dieses Privileg ist unter öffentlichem und rechtlichem Legitimationsdruck. Kirche und Diakonie befinden sich in einem Glaubwürdigkeitsproblem.“ Er hoffe sehr, dass es den Verantwortlichen bald gelinge, mit den Gewerkschaften eine Lösung für die Neuordnung der Lohn- und Gehaltsfindung zu vereinbaren.


Dr. Gern: Diakonie als Spielraum der Freiheit – Knapp: Für attraktive Arbeitsplätze


DWHN-Vorstandsvorsitzender Pfarrer Dr. Wolfgang Gern beschrieb „die Diakonie als Spielraum der Freiheit, in der das Freisein für andere – ungeachtet aller Konflikte und Widersprüche – beharrlich praktiziert wird.“ Zugleich seien Diakonie und Wohlfahrtsverbände Spielball divergierender Kräfte im öffentlichen und politischen Handeln. Die sozialstaatlichen Einschränkungen drückten auf die Budgets diakonischer Einrichtungen. Die Diakonie stünde vor „Herausforderungen, bei denen wir uns nicht auseinander dividieren lassen dürfen. Es gibt zu Gemeinsamkeit, Verbundenheit und Strategie untereinander keine Alternative für die diakonischen Einrichtungen.“ Im Blick auf die Sparbeschlüsse der Regierung etwa bei Beschäftigung und Qualifizierung sagte er: „Arbeitssuchenden werden Fördermöglichkeiten und Rechte beschnitten. Im Endeffekt wird wieder einmal bei den Ärmsten gespart und nur noch in die Menschen investiert, bei denen es sich ,ökonomisch lohnt‘ “, kritisierte Gern. Zugleich rief er dazu auf, der öffentlichen Unterfinanzierung in der Pflegeausbildung entgegenzutreten.


Wilfried Knapp, kaufmännischer Vorstand im DWHN, erinnerte, dass „viele Mitarbeitende in der Diakonie täglich Höchstleistungen erbringen.“ Doch gesellschaftliche Wertschätzung und gerechte Entlohnung blieben aufgrund mangelnder politischer Rahmenbedingungen aus, die Pflegesätze würden von Jahr zu Jahr knapper, die Tarifsteigerungen würden seit Jahren nicht mehr refinanziert. Dennoch müsse die Diakonie attraktive Arbeits- und mehr Ausbildungsplätze bieten, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung seien wichtig, vor allem für Frauen in der Diakonie, für die es mehr Entwicklungschancen gerade für Führungspositionen in Einrichtungen und Trägern geben müsse. Knapp sprach sich für eine höhere Flexibilität in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr und flexible Betreuungsangebote für Kinder und das bevorzugte Eingehen auf Pflegebedarfe für ältere Familienmitglieder aus.

Zur Person – Karl Peter Bruch
Karl Peter Bruch wurde am 17. Juli 1946 in Nastätten im Taunus geboren. Nach Ausbildung und Berufstätigkeit als Polizeibeamter und Kriminalhauptmeister wurde der SPD-Politiker 1987 Abgeordneter im rheinland-pfälzischen Landtag. 1991 wurde Bruch parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. 2001 wurde er als Staatsekretär ins rheinland-pfälzische Ministerium des Innern und für Sport berufen. Dort arbeitete Bruch unter anderem an dem mit Justizminister Peter Caesar (FDP) entwickelten und weit über Mainz hinaus als beispielhaft gewürdigten Zuwanderungssteuerungs- und Integrationsgesetz (1997) mit. Ab Oktober 2004 leitete Bruch zunächst kommissarisch das Innenministerium und wurde im Februar 2005 Innenminister. Im November 2007 wurde Bruch Vize-Ministerpräsident. 2011 schied er aus dem Amt.
Karl Peter Bruch ist unter anderem Mitglied im SWR-Verwaltungsrat, im Stiftungsbeirat der Fritz-Walter-Stiftung, in der Gesellschaft der Stiftungskliniken Mittelrhein, Koblenz, Boppard-Nastätten sowie im Vorstand der Stiftung Sporthilfe Rheinland-Pfalz/Saarland. Bruch ist Präsident des Behindertensportverbandes Rheinland-Pfalz und ist in verschiedenen diakonischen Arbeitsfeldern engagiert, unter anderem als Vorsitzender im Paulinenstift Wiesbaden der Diakonie. 


Zur Person – Armin Clauss
Armin Clauss wurde am 16. März 1938 in Lauffen am Neckar geboren. Der Gewerkschaftler und SPD-Politiker gehörte von 1970 bis 2003 dem Hessischen Landtag an. Er war mehrmals Vorsitzender der SPD-Fraktion oder dessen Stellvertreter. 1976 wurde Clauss Hessischer Staatsminister für Soziales, das Ministerium wurde unter seiner Leitung 1984 zum Ministerium für Arbeit, Umwelt und Soziales entwickelt. 1987 schied Clauss aus der Regierung aus. 1988 bis 1991 war er Vizepräsident des Hessischen Landtags.
Für sein Engagement in der Diakonie erhielt Armin Clauss 2005 das Goldene Kronenkreuz, die höchste Auszeichnung der Diakonie. Er war seit 1993 Vorsitzender der Hauptversammlung des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau und Mitglied im DWHN-Hauptausschuss. Clauss hat die Errichtung der Diakonie-Stiftung maßgeblich gefördert und ist seit ihrer Gründung im Jahr 2005 bis März 2011 deren Vorsitzender gewesen. Er ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Frankfurter Diakoniekliniken und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der gemeinnützigen AG Agaplesion, ein Zusammenschluss evangelischer Krankenhäuser. Clauss gehört dem Arbeitskreis Diakonie und Sozialpolitik der Evangelischen Akademie Arnoldshain an. Von 1992 bis 2004 war Armin Clauss Synodaler in der 8. und 9. Kirchensynode der EKHN.  Nach seiner aktiven Politikerzeit hat Clauss zahlreiche Ehrenämter im sozialen und bildungspolitischen Bereich übernommen. 


Stichwort: Diakonisches Werk in Hessen und Nassau (DWHN)
Das DWHN ist ein Mitglieder- und Dachverband für das evangelische Sozial- und Gesundheitswesen auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und zugleich Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege.
Mit den 19 in seiner Trägerschaft befindlichen regionalen Diakonischen Werken und seinen 269 Mitgliedern – darunter sind Träger mit 401 Einrichtungen unter anderem der Alten-, Kranken-, Jugend-, Behinderten- und Flüchtlingshilfe – ist das DWHN der größte Wohlfahrtsverband in Hessen.
Insgesamt sind in diakonischen Einrichtungen etwa 18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Allein in der Geschäftsstelle des DWHN in Frankfurt am Main beziehungsweise bei den 19 regionalen Diakonischen Werken, deren Träger das DWHN ist, und ihren Außenstellen arbeiten mehr als 1.150 Mitarbeiter.

Stichwort: Hauptversammlung und Hauptausschuss DWHN
Die Hauptversammlung ist das in der Regel jährlich tagende "Parlament" des DWHN. Sie nimmt den Rechenschaftsbericht des Vorstandes und des Hauptausschusses entgegen, genehmigt die Feststellung der Jahresrechnung und wählt aus ihrer Mitte bis zu sieben Personen in den Hauptausschuss. Der Hauptausschuss bestimmt die Richtlinien der diakonischen Arbeit und kontrolliert den Vorstand.
Neu gewählter Vorsitzender der Hauptversammlung ist Staatsminister a.D. Karl Peter Bruch. Vorsitzender des Hauptausschusses – dem Aufsichtsgremium im DWHN – ist der Wetzlarer Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer Klaus Rumpf, seine Stellvertreterin ist die Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt, Pfarrerin Esther Gebhardt.

Stichwort: Jahresabschluss 2010 DWHN
Das DWHN mit seinen 19 regionalen Diakonischen Werken hat im Jahr 2010 einen Haushalt in Höhe von 63,2 Mio. € gehabt. Dieser setzt sich zusammen aus: 66% Leistungsentgelten und Zuwendungen von Gebietskörperschaften wie Landkreisen und Kommunen, 21% kirchlichen Mitteln, 5% Beiträgen, Spenden und Bußgeldern sowie 8% Miet- und sonstigen Erträgen. Die Personalaufwendungen belaufen sich auf 71%.


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