

Unser Leitbild soll ein verbindlicher Wegweiser für alle in der Diakonie Tätigen sein. Es ist Ausdruck des Selbstverständnisses diakonischen Handelns der MitarbeiterInnen und Verantwortlichen und eine gemeinsame Gesprächsgrundlage für die Beschäftigung mit ihren Zielen und Gründen. Dabei ist uns bewusst, dass wir in der Diakonie Sinnerfüllung und Befriedigung finden.
Es ist gut, diese Gesprächsergebnisse festzuhalten und sich weiterhin mit ihnen kritisch auseinanderzusetzen. Sie spiegeln auch in der gemeinsamen Entwicklung die Erfahrung von Solidarität in Kirche und Diakonie wider. Sie lassen die Gewissheit spüren, dass diakonisches Handeln für alle Menschen ein Schlüssel zum Glück sein kann. In schwierigen Zeiten des sozialen und gesellschaftlichen Umbruchs soll das Leitbild auch zu mehr Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die Diakonie beitragen. Für uns selbst war die Arbeit am Leitbild der Diakonie ein spannender Prozess, der uns mit Auseinandersetzungen und Klärungen auch persönlich weitergebracht hat.
Christlicher Glaube gestaltet die Gesellschaft mit. Wir sehen in jedem Menschen das Ebenbild Gottes. Darin liegt seine unbedingte und unverlierbare Würde nach christlich-jüdischer Überlieferung. Diese biblische Vorstellung der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, aus der die Menschenwürde abgeleitet ist, wurde auch Bestandteil unserer Rechtsentwicklung, besonders in unseren Sozialgesetzen.
„Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ Off 2,10
In der Nachfolge Jesu Christi stehend wissen wir: Ursache und Ziel von Diakonie ist die Versöhnung mit Gott. Befreit von der Sorge um uns selbst, lassen wir uns anrühren von der Not des Nächsten und versuchen, ihm engagiert und kreativ zu helfen. Dabei erfahren wir den Segen der Nächstenliebe, erleben Gemeinschaft im Geben und Nehmen und sind Partner der Menschen, denen wir dienen. Wir nehmen wahr, dass sowohl unser eigener Glaube und unsere Persönlichkeit reifen und wachsen als auch Glaube bei Menschen neu entsteht. Das Zeichen der Diakonie ist das Kronenkreuz; es bezieht sich auf die Offenbarung des Johannes 2,10 („Sei getreu bis an den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben.“) und verdeutlicht: Wir leben aus der Treue Gottes zu uns, die im Kreuzestod Jesu ihren höchsten Ausdruck gefunden hat. Dieser Zusage können wir antworten, indem wir uns treu den Menschen, die Hilfe brauchen, zuwenden. Glaube und Handeln gehören zusammen.
Eine Gesellschaft, die den Menschen vom Mittelpunkt an den Rand oder gar ins Abseits rückt, gibt ihre Lebensgrundlage auf. Der Staat kann zwar die Rahmenbedingungen setzen für das soziale Miteinander und auf Menschenwürde, Verantwortung und Solidarität hinweisen, Liebe und mitmenschliche Gesinnung aber sind nicht erzwingbar
Das Gefühl des Geliebtseins durch Gott, die Einmaligkeit und Gnade des Seins versetzt Menschen in die Lage, am Leben der anderen teilzunehmen und eine Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Diakonie hält die Vision einer solidarischen Gesellschaft aufrecht.
Die Ziele in Kirche und Diakonie schöpfen aus der Quelle des Evangeliums, vor allem dem Hilfehandeln Jesu. Sie werden aus den jeweiligen Erfordernissen der gegenwärtigen Zeit heraus entwickelt.
Aus christlicher Freiheit heraus dient Diakonie jedem Menschen. Seine Würde bestimmt Inhalte und Wege des Helfens. Die Freiheit der Weltanschauung und Lebensgestaltung wird geachtet. In der Diakonie tätige Christinnen und Christen bringen ihre Glaubenserfahrung ein: Glaube gegen Verzweiflung, Versöhnung gegen Hass, Leben gegen Tod. Die Vielfalt der Methoden ist kein Selbstzweck, sondern dient der Unterstützung des Hilfehandelns. Die Zuwendung orientiert sich an dem, was der Mensch braucht und was er will.
Diakonie zielt auf menschengerechte soziale Verhältnisse. Sozialpolitisches, sozialethisches und ökumenisches Denken und Handeln sind Voraussetzungen für die Arbeit. Der Ausgleich von Nähe und Distanz zu staatlichen Partnern und Geldgebern dient der Wahrung der Funktion als Anwalt für jene, die unter die Räder der Gesellschaft geraten sind. Diakonie will Ursachen der Not aufklären und beheben.
Die Diakonie ist eine Form von Kirche, wie die Kirche wiederum eine Form von Diakonie ist. Beide sind Ausdruck der Zuwendung zu den Menschen - dem Miteinander und Füreinander. Angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen und kulturellen Lage haben Kirche und Diakonie gemeinsam die Aufgabe und die Möglichkeit, wertverbindliche wie gesellschaftsoffene Lebensformen der sozialen Verantwortung zu sein. Weder der Einzelne für sich noch die Gesellschaft als allgemeines Ganzes können den Lebensraum einer christlichen Gemeinde ersetzen. Dabei darf Kirche nicht bestimmt sein durch eine Vielzahl von Einzelanliegen, auch nicht durch Fremderwartungen von außen. Sie ist weder Erfüllungsgehilfin von Gruppen innerhalb ihres Bereiches noch von Erwartungen des Staates oder anderer.
Die politische Arbeit folgt aus dem Auftrag des Evangeliums. Eingeschlossen in diesen Auftrag ist auch politischer Widerspruch, der nicht auf Mehrheitsfähigkeit zielen muss.
Angesichts der zunehmenden Ökonomisierung der Lebensfelder müssen Kirche und Diakonie durch Werteorientierung gestalten und Gewissheiten vermitteln. Handlungszusammenhänge werden aufgezeigt und von unseren Wertvorstellungen her in die sich verändernde Gesellschaft getragen und in Erziehungsprozessen vermittelt. Eine individualisierte Gesellschaft benötigt eine Verständigung in Wertefragen und eine Gestaltung des öffentlichen Bewusstseins.
Der Verein ist die erste selbstgewählte Lebensform des Protestantismus in Deutschland - im Unterschied zur Amtskirche. Träger des Vereins waren die Ehrenamtlichen. Verschiedene Rechtsformen, in denen Diakonie arbeitet, sind in Erwägung zu ziehen, um finanzielle Ressourcen zu öffnen und die öffentliche Bezuschussung zu ermöglichen. Ziel ist es vor allen Dingen, die Unabhängigkeit des diakonischen Handelns und Auftrages zu wahren.
Der Geist der Diakonie zeigt sich in Wort und Tat der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie kommen heute aus unterschiedlichen Kulturen und Lebenszusammenhängen. Die Mitarbeiterschaft ist das Herz der diakonischen Arbeit. Wer seine Arbeit auf die Grundlage der Nächstenliebe und die Grundsätze unserer Arbeit stellt, ist eingeladen, in der Diakonie zu arbeiten. Haupt-, Neben- und Ehrenamtliche erhalten angemessene Begleitung im Gespräch, theologische und fachliche Fortbildung. Helfendes Handeln in der Diakonie erfordert fachliche Kompetenz und persönliche Integrität.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können erwarten, als Personen wahrgenommen und respektiert zu werden. Sie gehen veranwortungsbereit und engagiert ihrer Aufgabe nach. Sie werden als Fachleute ernst genommen und wertgeschätzt. Maßnahmen, die zu einer besseren Erfüllung ihres Dienstes am Nächsten befähigen, werden gefördert. Die Mitarbeiterschaft kann mit Verständnis dafür rechnen, dass helfendes Handeln dem anderen nicht völlig gerecht werden kann und auf Vergebung angewiesen bleibt.
Kooperation und Kollegialität bestimmen die Arbeitsformen. Leitungskräfte sollen ein Vorbild sein für vertrauensvolle Zusammenarbeit und dadurch zu einer schöpferischen Arbeitsatmosphäre beitragen. Sorgfältige Personalführung und -pflege gehören zu den Bedingungen erfolgreichen diakonischen Dienstes.
Auch in Zukunft kommt dem Ehrenamt eine Bedeutung zu. Viele Menschen sind zu freiwilligem sozialem Engagement bereit und in der Lage, wenn ihnen sinnvolle Aufgaben gestellt werden. So leben in unserer Gesellschaft immer mehr aktive ältere Menschen mit Berufswissen, Weisheit und Erfahrung, die sich mit den Jüngeren in sozialen Initiativen engagieren und die aktive Beteiligung von Kirche, Gemeinde oder Diakonie fordern. Professionelle hauptamtliche Arbeit in der Diakonie ist auf solches Engagement angewiesen.
Wir brauchen eine Mitarbeiterschaft, die selbst von der Bedeutung evangelischer Diakonie für die moderne Gesellschaft überzeugt und entsprechend gesprächsfähig ist. Die gemeinsame Arbeit in der Diakonie steht unter der Begleitung des guten Geistes Gottes. Dies hat zur Folge, dass ein vertrauensvoller Umgang miteinander, Achtung der fachlichen Fähigkeiten, Lob und Anerkennung, einfühlsame Kritik, behutsame Personalpflege und -führung, Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Entwicklung der Organisation und Bewältigung von Krisen zum Selbstverständnis gehören.
Das Diakonische Werk in Hessen und Nassau ist Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege, Mitgliederverband und Träger vor allem offener Sozialarbeit. Seine Organisation ist ständig zu überprüfen und zu reformieren.
Das Diakonische Werk in Hessen und Nassau arbeitet als ethisch verantwortetes Dienstleistungsunternehmen im Umgang mit den finanziellen Mitteln menschen- und marktorientiert. Die Vernetzung der verschiedenen Hilfsangebote (ambulant, teilstationär und stationär) wird unter wirtschaftlichen und sozialfachlichen Gesichtspunkten weiterentwickelt. Für die Leistungsempfänger sowie Mitglieder ist eine durchsichtige Gliederung und Zuständigkeit des Verbandes zu gewährleisten. Die Darstellung der Ziele und der Arbeit des DWHN gewinnt an Bedeutung. Ein einheitliches Erscheinungsbild der Diakonie in der Öffentlichkeit wird angestrebt.
Nachstehend finden Sie die vollständige Satzung des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau. Diese steht Ihnen als PDF-Version zum Download zur Verfügung.