

An ihm nahmen etwa 160 Frauen und Männer aus Diakonie und Kirche teil. Nach einem Vortragsteil konnten sie sich in Workshops und Impulsseminaren über die Errichtung von Stiftungen und Fördervereinen, das Fundraising in Kirchengemeinden, die Umgangsformen von Fundraisern oder über die Erstellung von Spendenbriefen informieren. Das Fundraising-Forum von Evangelischer Kirche und Diakonie in Hessen und Nassau (EKHN und DWHN) fand 2011 bereist zum neunten Mal statt.
Nach den Worten des Finanzchefs der hessen-nassauischen Diakonie, Vorstandsmitglied Wilfried Knapp, ist das Fundraising als zusätzliche Einnahmequelle "nicht mehr wegzudenken". Es ermögliche in vielen sozialen Einrichtungen das "gewisse Extra", Leistungen also, die sonst nicht mehr erbracht werden könnten. Knapp würdigte auch das Engagement von Ehrenamtlichen bei der Beschaffung von Spenden.
Der Berliner Spendensammler Wolfgang Kern hat auf die wachsende Bedeutung des Erbschafts-Fundraisings hingewiesen. Grund für diese Entwicklung sei zum einen der Rückgang der Kirchensteuereinnahmen, sagte der Geschäftsführer für Stiftungskommunikation des Evangelischen Johannesstifts am 5. Mai in Frankfurt am Main. Zum anderen gebe es immer mehr alleinstehende ältere Menschen, die ihr Vermögen einer sozialen Einrichtung vererben wollten.
Nach den Angaben des Berliner Experten werden derzeit in Deutschland pro Jahr 200 Milliarden Euro vererbt. Von 100 Erblassern seien 83 alleinstehende ältere Damen, zehn alleinstehende Herren und sieben Ehepaare. Das Erbschafts-Fundraising spiele auch im Evangelischen Johannesstift, das mehr als 3.200 Mitarbeiter in der Kinder-, Jugend-, Behinderten- und Altenpflege in Berlin, den neuen Bundesländern und Niedersachsen beschäftige, eine zentrale Rolle. Derzeit betreue man 200 Menschen, die dem Stift ihr Vermögen vermachen wollten, sagte Kern.
Kern hob hervor, dass das Erbschaftsmarketing einen "langen Atem" brauche, der Verpflichtung und Verantwortung bedeute. Man müsse sehr genau die Lebenssituation des Erblassers kennen und eine Beziehung zu ihm aufbauen. Dazu gehörten etwa Einladungen zu Veranstaltungen und regelmäßige Besuche, Kenntnisse über Alter, Krankheit und Tod, die Erstellung eines Testaments und die Organisation einer würdigen Bestattung. "Der Erbschaftsfundraiser ist kein Leichenfledderer, sondern einer, der das Erbe eines vertrauten Menschen einsetzen will zur Schaffung einer humaneren Gesellschaft."
Internet: www.fundraising-forum-hessen-nassau.de.